Allgemein Bildung

KiTa-Betreuung am Limit!

Zwei Jahre Corona-Pandemie und die Herausforderungen und Aufgaben für jede*n von uns werden nicht kleiner. Bereiche wie Familien, Pflege und Bildungen verzeichneten bereits vor der Pandemie drastische Zustände und spitzen sich nun auf einen dramatischen Höhepunkt zu. In einem ARD-Bericht wird nun das Ausmaß des jahrelangen Betreuungsmangel in KiTas und anderen Einrichtungen deutlich.

Akuter Mangel an Erzieher*innen verschärft sich in Corona-Krise.

Laut dem Deutschen Städtetag werden in den nächsten Jahren bis zu 230.000 Erzieher*innen in Deutschlands Kindergärten, Krippen und Horten fehlen.

Der Grund dafür sehen viele Expert*innen in der immensen Überlastung der Erzieher*innen: Zwar ist Anzahl der Betreuungsplätze an die Anzahl der Erzieher*innen gebunden, doch gibt es nur wenig neuen Zuwachs im Berufszweig.

Schlecht bezahlt, wenig neue Kolleg*innen = Überlastung und keine Motivation.

Überlastung und wenig Motivation nach anfänglicher Begeisterung führen dazu, dass immer mehr Menschen im Betreuungsbereich aufgeben, so Sonja Seiler, Kindergarten-Leitung aus Regensburg. Der Wunsch nach kleineren Gruppen ist laut, aber erfordert nicht vorhandenes Personal. Die Corona-Pandemie fordert auch psychisch viel von den Erzieher*innen ab.

“Gute KiTa”-Bericht: Betreuungsstand auf einem Blick.

Der “Gute KiTa” Bericht von 2021 berichtet zunächst von positiven Zahlen: Derzeit arbeiten rund 675.650 pädagogische Fachkräfte in deutschen Kindertagesstätten, davon sind 68 Prozent Erziehende. Das sind so viele Beschäftige wie noch nie. Ebenso werden auch leichte Verbesserungen im Personalbereich verzeichnet:

Derzeit kümmert sich eine Fachkraft

  • um 8,1 Kinder im Alter von über drei Jahren.
  • 3,8 Kinder im Kleinkindalter.

Die Zahlen variieren aber in den Bundesländern. Personell gut aufgestellt sind Kindertagesstätten in Baden-Württemberg mit 6,4 Kinder pro Betreuer*in hingegen in Mecklenburg-Vorpommern die Betreuungssituation mit 12,0 Kinder pro Betreuer*in schlecht ist. Doch wie die Pandemie sich auf die Personalsituation auswirkt, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Maßnahmen des “Gute KiTa”-Gesetzes scheitern teilweise an Personalengpässen.

Im Bezug zu den Zielen des “Gute KiTa”-Gesetzes geben viele Bundesländer zu Protokoll, während der Pandemie konnten nur wenig Maßnahmen des “Gute-Kita”-Gesetzes umgesetzt werden. Besonders im Bezug auf Personalgewinnung oder Fort- und Weiterbildungen spiegelt sich dieser Umstand wider.

Ebenso der Ausbau von Kita-Plätzen wird in den nächsten Jahren noch mehr Erzieher*innen erfordern. Aus einer Studie der TU Dortmund zusammen mit dem Deutschen Jugendinstitut geht hervor, dass bis 2025 zwischen 20.000 und 72.000 Fachkräfte fehlen werden.

Die Devise lautet: “Menschen im Beruf halten und neue dazu gewinnen.”

Deswegen muss es gezielt Angebot geben, die den Beruf für Abiturienten ansprechend gestaltet. Weitere Maßnahmen, beispielsweise eine “Arbeitsmarktzulage” wie in der Stadt Regensburg, zahlt den 400 Erzieher*innen bis zu 400 Euro monatlich zusätzlich, um z.B. Fahrtkosten zu decken. Dazu werde vermehrt auf neue Ausbildungsmodelle gesetzt.

Lange Ausbildung wird kaum vergütet.

Doch auch wenn für einige Menschen die Kinderbetreuung soziale Berufung ist, von 450 Euro im dritten und vierten Ausbildungsjahr können die werdenden Erzieher*innen nicht leben. Schon jetzt ist die Lage in Städte und in ihrem Umland gespannt. Es werden händeringend nach Erzieher*innen und Sozialpädagog*innen gesucht.

Mögliche Lösung: Quereinstieg ermöglichen und Fachkräfte aus dem Ausland.

Der Deutsche Städtetag sieht in Berufs- und Quereinsteiger*innen eine möglichen Lösungsansatz, um die Betreuungsarbeit zu sicher. Ebenso soll auch Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden.

Eine weitere Problemlösung sehne Expert*innen in der Erzieher*innenausbildung mit optimierten Praxisphasen, dem sogenannten “OptiPrax”. Dieses Programm soll vor allem gezielt Abiturienten ansprechen. Der Vorteil wird darin gesehen, dass die zukünftigen Erzieher*innen nur eine dreijährige Ausbildung durchlaufen und mit 1160 und 1330 Euro monatlich auch besser bezahlt werden.

Doch ob die offenen Stellen noch besetzt werden können und der zukünftige Bedarf abgedeckt werden kann, kann auch durch dieses Programm nicht abgesichert werden.

Ist eine Ganztagesbetreuung noch zu währ leisten?

Im neuen Koalitionsvertrag werden mehr Investitionen für den Ausbau der Kitaplätze und Ganztagsangebote vorgesehen. So soll ab dem Schuljahr 2026/2027 ein bundesweit gesetzlicher Anspruch auf Ganztagesbetreuung in der Grundschule ermöglicht werden. Trotzdem braucht es Erzieher*innen für rund eine Million Grundschulkinder. Diese Umsetzbarkeit wird massiv infrage gestellt. Viele Träger von KiTa-Einrichtungen fordern von den Kommunen Planungssicherheit.

Für die Ganztagesbetreuung von Grundschulkindern will der Bund insgesamt 3,5 Milliarden Euro an Finanzhilfen bereitstellen. Von gut ausgebauter Kinderbetreuung profitieren vor allem Arbeitgeber und Kommunen, denn sind die Einrichtungen ein wichtiger Standortfaktor. Doch wie es dabei für die Erzieher*innen weitergeht, wird dabei im Koalitionsvertrag nicht weiter präzisiert.

Zukünftig wird eine Lösung der Problematik nicht in Sicht sein, Kindertagesstätten bangen weiter um ihre Erzieher*innen. Vorerst müssen also wohl Großeltern herhalten und Betreuung zuhause stattfinden, was unabhängig von der Corona-Pandemie keine Dauerlösung darstellen kann.

> Mehr zum ARD-Bericht

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