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Die Frage: Wo sind unsere Gretas, wo sind unsere Fridays for Future?“

Angeregt durch die Frage von Herrn Leibinger: “Wo sind unsere Gretas, wo sind unsere Fridays for Future?“ „Was tun wir alles, um unseren Kindern, Jugendlichen und Familien eine gute Zukunft zu geben?“ stellten wir uns die Frage: “Können wir in Anbetracht der Herausforderungen, die auf unsere Kinder zukommen werden, ihnen eine gute Zukunft geben oder müssen wir sie befähigen, dass sie all die Widrigkeiten, die wir ihnen hinterlassen bewältigen können?

Ein Artikel in der Zeitschrift Emma (Juli/August 2019) macht deutlich, dass Greta in der Familie die dritte Generation Frauen darstellt, die sich gesellschaftspolitisch engagieren. Greta hat die volle Unterstützung ihrer Familie. Die Eltern waren bereit, ihr eigenes Leben radikal umzugestalten und sich mit Gretas Anliegen zu identifizieren. Gretas Form von Asperger wird als Chance gesehen, sich voll und ganz auf eine Sache zu fokussieren. Die Abweichung von der sogenannten „Normalität“ als Grundlage genau hinzusehen und zu handeln.

Was heißt das für uns? Sind wir den Kindern Vorbild durch unser eigenes gesellschaftspolitisches Engagement? Sind wir bereit, die Anliegen unserer Kinder zu hören, zu verstehen und gegebenenfalls unser Leben ein stückweit danach auszurichten? 

Vor einigen Jahren auf einem Symposium in Bregenz gingen Naturwissenschaftler*innen und Pädagogen*innen der Frage nach, welche Herausforderung der Klimawandel für unsere Kinder mitbringt und welche Fähigkeiten sie benötigen, um diese zu bewältigen. Ihr Fazit war: Sie müssen den Willen und Mut aufbringen, ungewöhnliche Wege zu gehen, die keiner vor ihnen gegangen ist. Um diese Wege zu entdecken, benötigen Sie die Fähigkeit Querzudenken und gegen den Strom zu schwimmen.

An dieser Stelle erhält der Satz Maria Montessoris: „Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.“ große Aktualität.

Geben wir den Kindern ausreichend Zeit, viele neue Wege auszuprobieren und viele Möglichkeiten zu testen? Nur so können sie die Kreativität entwickeln, die es braucht, um das Überleben auf der Erde zu sichern. Kreativität als Kraft, sich die Welt vorzustellen wie sie sein könnte, über etwas nachzudenken, das noch gar nicht existiert und das angeeignete Wissen zu erweitern und ungewöhnliche Kombinationen zu wagen. Kreativität als Motor, etwas bewegen und ändern zu wollen.

In seiner Dokumentation „Das kreative Gehirn“ benennt David Eagleman folgende Faktoren, die zur Entwicklung eines kreativen Gehirns beitragen:

  • Wenn wir Grenzen überschreiten, etwas Neues ausprobieren und die Bandbreite des Möglichen ausloten
  • Wenn wir riskieren zu scheitern und die Angst vor dem Versagen überwinden
  • Wenn wir vielfältigen, umfassenden Input bekommen
  • Wenn wir Dinge, die sich scheinbar ausschließen, mit einander kombinieren und so außergewöhnliche, neue Kombinationen entstehen.
  • Wenn wir die Komfortzone verlassen und uns neue Inspirationen holen.

Wenn es uns gelingt, unseren Kinder täglich den Raum, die Zeit und die Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, ihr „Kreatives Gehirn“ zu entwickeln. Wenn wir sie darin bestärken, darauf zu vertrauen, dass Sie auch großen Herausforderungen gewachsen sind. Sie die Erfahrung machen, dass sich ein Gefühl der Zufriedenheit und des Glückes einstellt, wenn wir etwas bewegen und zum Besseren verändern konnten. Dann werden sich auch bei uns Gretas entwickeln und eines Tages antreten, die Welt zu erhalten und die Dinge zum Besseren hin zu verändern.

Wir wollen mit einem Satz von Kofi Annan (UN-Generalsekretär 1997-2006, Nobelpreis 2001) enden: Leben heißt wählen. Aber um gut zu wählen, musst du wissen, wer du bist, für was du stehst, wo du hingehen willst und warum du dort hingehen willst.

Wenn wir Erwachsene uns diese Frage stellen und wissen, wer wir sind und was unser Ziel ist, können wir den Kindern eine wirkliche Unterstützung werden.

Vielen Dank für die Frage!

Anita Wallner, Leiterin Familienzentrum Francesca,  Sandra Pöhler, Koordinatorin, Stuttgart

PS: Das EE-Konzept mit dem Ethischen Code, den Pädagogischen Strategien und seinem gesellschaftspolitischen Ansatz des Empowerment können und sind uns Orientierung, Unterstützung und der rote Faden auf diesem Weg. Wobei dem Verständnis und der Umsetzung von Empowerment eine zentrale Rolle zukommt.

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