05 Region Südwest

Inklusiver EE-Ansatz in Esslingen – Die Entwicklungen im KiGa Färbertörlesweg

 Tobias Beran , Einrichtungsleiter Kindergarten Färbertörlesweg Esslingen

Unsere KITA liegt inmitten eines kleinen Parks in der Innenstadt Esslingens. Familien aus allen Teilen der Welt besuchen seit ca. 30 Jahren unsere Einrichtung. Durch diese Tatsache haben wir  uns seit einigen Jahren mit dem Modell des kanadischen Multikulturalismus auseinandergesetzt und diesen zunächst als  konzeptionelles Vorbild für ein friedliches Miteinander in unserer Konzeption  aufgenommen. Als unser Träger 2015 mit der Heinz und Heide Dürr Stiftung in Kooperation mit der Hochschule Esslingen ein Pilotprojekt „ Inklusiver Early Excellence Ansatz“ vereinbarte und wir die Möglichkeit bekamen  teilzunehmen, haben wir uns sehr über dieses Angebot gefreut und dieses dankbar angenommen. Von 2016- 2018 besuchten wir/unser Team in regelmäßigen Abständen mit 3 anderen – am Pilotprojekt teilnehmenden – Einrichtungen 6 ganztägige Teamworkshops “Inklusiver Early Excellence Ansatz“. Die inhaltliche Ausgestaltung erfolgte in Kooperation mit Fr. Saumweber/ Fr. Rau und Fr. Prof. Dr. phil. Nina Kölsch-Bunzen von der Hochschule in Esslingen.

Durch den Teamworkshop eröffnete sich die Möglichkeit, dass alle Mitarbeiterinnen/ Mitarbeiter der Einrichtung sich denselben Wissenstand gemeinsam erarbeiten konnte. Der Inhalt der Workshops war so strukturiert, dass zu jedem Theorieteil ein Praxisteil angeboten wurde. Katja Saumweber und Anna Rau legten ihren Fokus auf den Early Excellence Ansatz und  Frau Prof. Dr. phil. Nina Kölsch-Bunzen ihren auf die Thematik der Inklusion. Im Laufe der Fortbildungen wurden beide Bereiche in einen Fokus gebracht. So ergab sich schließlich für uns als Quintessenz, dass der Inklusionsgedanke im Early Excellence Ansatz tief verankert ist und wir dadurch alle Kinder und ihre Familien die in unserem Hause begleitet werden, sehr gut erreichen können. In dieser Fortbildung haben wir festgestellt, dass wir in der Praxis schon viele Erfahrungen bezüglich des Inklusiven EE-Ansatzes sammeln konnten, einiges auch bereits wissentlich und unwissentlich umgesetzt haben. Unser Bild vom sich selbst bildenden Kind wurde durch die Fortbildung in Theorie und Selbsterfahrung noch einmal bestätigt.
 

Durch die Fortbildungen erhielten wir aber auch neue pädagogische Grundlagen die wir in unserem Alltag umsetzen können. Durch ein tieferes Eintauchen in die Thematik der Inklusion konnten wir während der Fortbildungen auch in die Rollen von Personen mit anderer Wahrnehmung oder Handicaps schlüpfen. Wir durften durch eigenes Erleben erfahren, wie es sich anfühlt sich z.B. mit eingeschränktem Sehvermögen, eingeschränktem Hörvermögen oder im Rollstuhl in der Umwelt zu bewegen. Diese Erlebnismöglichkeit schuf in unserem Team eine große Sensibilität. Informationen müssen für alle verständlich sein und Wege und Kanäle gefunden werden diese von allen beteiligten Personen selbst abzurufen.

Ein anderer beeindruckender Punkt war das große „AHA“ Erlebnis im Haus, nach dem das gesamte Team begonnen hatte mit den Early Excellence-Beobachtungsbögen zu arbeiten.  Alle Fachkräfte im Haus waren sehr beeindruckt, wie gut die Themen der Kinder durch die gezielten und ressourcenorientierten Beobachtungen herausgearbeitet werden konnten.  Das daraus folgende individuelle Angebot und das abschließende „ Abenteuerbuch“ ist bei uns im Hause nicht mehr wegzudenken.

Es begeistert uns als Team, wie genau die Themen der Kinder durch das Beobachtungsritual herausgefunden und durch Impulssetzung weiterentwickelt werden können. Die Ergebnisse der Beobachtung begeistern die Kinder, die Familien und das gesamt pädagogische Team.

Um den EE-Ansatz auch in der Elternschaft transparent zu machen findet einmal im Jahr  ein Workshop für die Eltern statt, in dem sie durch eigenes Handeln ( in diesem Falle Spielen in den Räumlichkeiten mit dem dort vorhandenen Materialien) und anschließender Reflexion in einer Gruppenarbeit  die Schemata und die Bildungsfelder erfahren/erarbeiten. Nach einer anschließenden Reflexion mit den Eltern zum Thema erhielten wir sehr positive Rückmeldung.

Auch die Kooperation mit der Grundschule profitiert vom EE-Ansatz in unserem Hause. In gemeinsamer Arbeit mit den Kooperationslehrerinnen der Grundschule konnten wir Begegnungsmöglichkeiten schaffen, bei denen die LehrerInnen in diversen Spielsituationen und Dialogen die Stärken der baldigen Grundschulkinder kennenlernen durften. So konnten wir den Kindern und den Lehrerinnen ein Kennenlernen ohne Prüfungssituation auf Augenhöhe ermöglichen. Nach dieser sanften Begegnung erhielten wir die Rückmeldung von den Grundschullehrerinnen, dass sie in diesen Begegnungen alle Informationen über die Kinder durch ihre eigene Beobachtung erhalten hatten, die sie für ihre weitere Arbeit benötigten.

Ein weiteres „Steckenpferd“ ist unsere Stadtteilkooperation mit der Kita Neckarstraße Esslingen. Diese Einrichtung nahm ebenfalls am Pilotprojekt teil und daraus entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit.

In den ersten Monaten trafen sich Pädagoginnen / Pädagogen regelmäßig zu einem gemeinsamen Musikprojekt mit Kindern aus beiden Einrichtungen. Nun werden wir diese Kooperation mit einer gemeinsamen Sport und Bewegungsgruppe ausbauen die aus Kindern aus beiden Häusern besteht. Diese Gruppe wird angeleitet durch zwei Pädagoginnen jeweils abwechselnd in beiden Einrichtungen.

Die Interdisziplinäre Frühförderstelle konnten wir seit einigen Jahren für regelmäßige Besuche bei uns im Haus gewinnen. Dadurch haben Eltern die Möglichkeit, sich mit ihren Fragen an die Kollegin der Frühförderstelle zu wenden. Somit ist es uns gelungen, Angebote für Kinder mit der Frühförderstelle /den Eltern und weiteren Institutionen zu koordinieren. Zusätzlich sind Integrationskräfte die wir zur Unterstützung / Begleitung einiger Kindern in unserer Einrichtung gewinnen konnten, alltäglich im Alltag selbstverständlich dabei und gelten bei Kindern und Eltern nicht mehr als Besonderheit. 

Im Zuge des Pilotprojektes begleitete Fr. Saumweber uns regelmäßig  vor Ort. An einem dieser Treffen wurde der Tagesablauf unserer Einrichtung noch einmal ganz genau angeschaut und inhaltlich vom Team „entschleunigt“, so dass die Kinder einen Großteil des Tages nun für ihre „freie Bildungszeit“ zur Verfügung haben. In dieser finden parallel kleine Projekte statt die durch die Interessen der Kinder bestimmt werden. Ein weiterer Stolperstein im Tagesablauf war die „lebendige“ Essensituation bei uns im Hause. Durch eine genauere Analyse im Treffen mit Katja Saumweber konnten wir die Esssituation neu strukturieren, so kann das Essen nun in einer gemütlichen und entspannten Situation stattfinden. 

Dies ist nur ein kleiner Einblick in unsere aktuelle Arbeit. Wir freuen uns sehr, dass wir auch nach Beendigung des Pilotprojektes „Inklusiver Early Excellence Ansatz“  mit der Unterstützung der Heinz und Heide Dürr Stiftung weiter machen können. Katja Saumweber begleitet uns in regelmäßigen Abständen weiter in der Einrichtung. Unser aktuelles Thema ist das „ Anschlussmachen“ der Kinder. Unser Ziel ist es durch eine gezielte Videobeobachtung  von uns Pädagoginnen/ Pädagogen die Kinder in ein gemeinsames Spiel und damit in Beziehung zueinander zu bringen. Durch diese Videoanalysen lernen wir unsere eigene Verhaltensweisen im pädagogischen Alltag  besser kennen und können durch die Videoberatung von Fr. Saumwebers unsere Stärken in Sprache, Gestik, Mimik und Handeln gegenüber den Kindern ausbauen. Von unserer Entwicklung in der Einrichtung zu berichten ist mir eine große Freude und ich bin sehr stolz darauf, mit meinem Team ein Teil dieser „lernenden Organisation“ sein zu dürfen.

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