Eltern sind alle unterschiedlich und das heißt für uns, dass wir ständig auf der Suche sind, Mittel und Wege zu finden, um Eltern einzubeziehen.
Margy Whalley, ehemalige Direktorin des Pen Green Centre, der Wiege von Early Excellence
Familien im Zentrum von Early Excellence
Der Early Excellence-Ansatz formuliert sein Grundanliegen anhand von drei Säulen. Dabei gilt es, das Handeln der Pädagog*innen konsequent an den Potenzialen der Kinder und ihrer Familien auszurichten, alle Menschen der familiären Verantwortungsgemeinschaft in die Arbeit einzubeziehen und die Vernetzung mit anderen Angeboten im Stadtteil voranzutreiben. Diese konsequente Einbeziehung von Familien ist es, die den Early Excellence-Ansatz unter anderem so besonders macht.
Doch wie steht es derzeit um die Familie in Deutschland? Das Statistische Bundesamt hat für das Jahr 2024 einen Rückgang der Familienzahlen verzeichnet. Während es 1996 noch rund 13,2 Millionen Familien gab, ist die Zahl im Jahr 2024 auf 11,8 Millionen Familien gefallen, was einem Rückgang von rund 11 % entspricht. In der Erhebung wurde außerdem festgestellt, dass Menschen, die sich für eine Familiengründung entscheiden, meistens mehrere Kinder bekommen, sodass Kinder mehrheitlich mit Geschwistern aufwachsen.
Wie der Familienreport 2020 des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausstellte, ist die Bedeutung hingegen von Familie nach wie vor sehr hoch. Für 77 Prozent der Bevölkerung ist sie der wichtigste Lebensbereich, noch vor dem Beruf und dem Freundeskreis. Bei Eltern mit minderjährigen Kindern sind es sogar 91 Prozent. Im Familienreport 2024 gaben 82 Prozent der Befragten an, dass familiäre Beziehung ein Ort des Halts und der Sicherheit sind, insbsondere in schwierigen Zeiten. Beides zeigt die hohe Relevanz von Familien und warum sie auch in der frühkindlichen Bildung eine große Rolle spielen (müssen).
Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) beschreibt die Familie darüber hinaus als eine Familie im Wandel: „Die Zahl der Patchwork-Familien mit zwei, drei oder vier Eltern wächst. Es gibt viele Alleinerziehende mit oder ohne engagierten externen Elternteil, Adoptions- oder Pflegefamilien, gleichgeschlechtliche Paare mit Kind sowie Familien nach einer Samen- oder Embryonenspende.“ Und der zehnte Familienbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2025 unterstreicht dies, indem er die unterschiedlichen Lebenslagen von Alleinerziehenden und Getrennterziehenden untersucht.
Wenn im Early Excellence-Ansatz also davon die Rede ist, dass Eltern die Expert*innen ihrer Kinder sind, dann sind damit alle Mitglieder einer familiären Verantwortungsgemeinschaft gemeint und nicht Mutter, Vater und Kind. Dieser weite und freie Blick auf die Entwicklung der Familie ermöglicht es, innerhalb der frühkindlichen Bildung mit den Beteiligten eine Erziehungsgemeinschaft einzugehen. Der hohe Wert, den Menschen der Familie unangefochten zuschreiben, lässt auf eine hohe Partizipationsbereitschaft schließen. Das macht Early Excellence zu einem zeitgemäßen und gesellschaftlich hoch relevanten Ansatz der frühkindlichen Bildung.
In der Januar/Februar-Ausgabe 2026 der „bbz Berliner Bildungszeitschrift“, die von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin herausgegeben wird, geht es um das Thema „Familie“. Zum Early Excellence-Ansatz wurden die Koordinator*innen der Heinz und Heide Dürr Stiftung, Anna-Christina Rau und Sasha Saumweber, befragt. In derselben Ausgabe findet sich ebenso ein Interview mit Paulina Chale über den Early Excellence-Ansatz im von der Heinz und Heide Dürr Stiftung geförderten Familienzentrum Mehringdamm in Berlin-Kreuzberg.







