10. März 2026 Bildung

Göttinger Kongress 2026: Alle Zeit der Welt

Langsamkeit im Sinne einer „slow pedagogy“ bedeutet nicht Stillstand, sondern die Möglichkeit, tiefere Beziehungen aufzubauen, dem kindlichen Rhythmus für individuelles Lernen Raum zu geben und – angesichts straffer Rahmenbedingungen – allseits tief durchzuatmen. 

www.goettingerkongress.de

Der Göttinger Kongress für Erziehung & Bildung blickt auf eine lange Tradition zurück. Er wurde im Jahr 2000, parallel zum Erscheinen der ersten PISA-Studie, von Beatrix Schminke-Gebauer und Dr. Karl Gebauer ins Leben gerufen. Das Anliegen besteht darin, Kongressteilnehmer*innen ein praktisches und dabei theoretisch fundiertes Angebot zu machen, das sie bei der Ausübung ihrer komplexen Berufstätigkeit unterstützt.

In diesem Jahr widmete sich der Göttinger Kongress dem Thema „Alle Zeit der Welt – Kindlicher Rhythmus als Taktgeber pädagogischen Alltags“. Es zog sich wie ein roter Faden durch alle Vorträge und Workshops. Der Titel könnte nicht aktueller sein, denn er spiegelt wider, dass es mehr Achtsamkeit braucht, um dem kindlichen Rhythmus zu folgen, statt mit immer mehr Programmen aufzuwarten und dabei immer schneller zu werden.

Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung das Sein im Hier und Jetzt mit sich selbst, mit uns Erwachsenen und mit ihrer Umgebung in besonderer Weise. Die beiden Hauptvorträge „Mit dem Kind in seiner Zeit sein“ von Prof. Dr. Joachim Bauer und „Die Entdeckung der Langsamkeit – das eigene Entwicklungstempo leben“ von Dr. Ann-Katrin Bockmann haben viele Teilnehmer*innen nachdenklich gestimmt. Auch der musikalische Beitrag von Marleen Dahms und Felipe Aravena war passend dazu ausgewählt. Sie interpretierten dabei auf berührende Weise unter anderem das Lied „Kleine Hände” von Bettina Wegner.

Sasha Saumweber, Koordinator*in und Fachberatung im Early Excellence-Team der Heinz und Heide Dürr Stiftung, griff das Thema mit dem Vortrag „Gib mir Zeit: Das Bild vom Kind im Early Excellence-Ansatz und seine Konsequenzen für die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern“ auf. Dabei stellte Sasha Saumweber die Verbindung zu diesem Ansatz der frühkindlichen Bildung in den Mittelpunkt. Bereits im Titel wird deutlich, dass die Frage nach Zeit und dem individuellen Rhythmus von Kindern dabei eine zentrale Rolle spielt.

Sasha Saumweber betonte aus der Perspektive des Early Excellence-Ansatzes, dass der Anspruch, sich am Rhythmus des Kindes zu orientieren, von Anfang an Teil der pädagogischen Haltung ist. Im Fokus stehen dabei ein konsequent Positiver Blick auf die individuellen Entwicklungsverläufe und das unterschiedliche Tempo der Kinder sowie die Verantwortung der pädagogischen Fachkräfte, das Wohlbefinden der Kinder sicherzustellen.

Das bedeutet, den pädagogischen Alltag immer wieder kritisch zu reflektieren – beispielsweise anhand der pädagogischen Strategien des Early Excellence-Ansatzes – und daraufhin zu überprüfen, ob die Bedürfnisse und Entwicklungsprozesse der Kinder ausreichend berücksichtigt werden. Eine gute Alltagsorganisation sowie eine systematisierte Beobachtung der Kinder spielen dabei eine wichtige Rolle.

Ein großer Dank geht an die Organisator*innen Klaus Kokemoor, Birgit Rauschke und Conny Blaack, denen es erneut gelungen ist, eine Atmosphäre von Engagiertheit und Wohlbefinden zu schaffen.

Ähnliche Beiträge

  • Göttinger Kongress 2025: Wohlbefinden & Engagiertheit in...

  • Familien im Zentrum von Early Excellence

  • Fachforum der Familienzentren: Blackbox Medienkonsum

  • Kita-Fachtag: 100 Jahre St. Josef, Stuttgart

  • Impulsgespräch: Sasha Saumweber

  • Fachvortrag: Der Blick auf den Positiven Blick, Oktober...

  • Fachvortrag: Klaus Kokemoor

  • Deutscher Kita-Preis 2022

  • Fachkraft Early Excellence 2022, Stuttgart