25. März 2026 Bildung

Pädagogik meets Systemik

Zunehmend wird die Notwendigkeit erkannt, die Perspektiven der Kinder selbst in der Forschung zu kindlichem Wohlbefinden angemessen zu berücksichtigen.

Prof. Dr. Susanne Viernickel

Ein Gastbeitrag von den Podcast-Hosts Benjamin Hilge und Christina Gerber.

In der aktuellen Folge unseres Podcasts "Das Systemische Wohnzimmer" gehen wir, Benjamin Hilge und Christina Gerber, gemeinsam mit Sasha Saumweber von der Heinz und Heide Dürr Stiftung der Frage nach, wie sich Wirklichkeiten im pädagogischen Raum gestalten.

Das Gespräch beleuchtet die Schnittmenge zwischen systemischer Haltung und dem Early Excellence Ansatz.
Im Zentrum steht der Leitgedanke eines positiven Blicks. Sowohl die Systemik mit einem Fokus auf den "guten Grund" menschlichen Verhaltens, als auch der Early Excellence-Ansatz, betrachten Menschen als aktive Gestalter*innen ihrer eigenen Entwicklung. Sachlichkeit bedeutet in diesem Kontext nicht emotionale Distanz, sondern die präzise Anerkennung unterschiedlicher Expertisen und das führte uns wiederum in einen Austausch darüber, wer denn dann nun eigentlich die Expert*innen im System sind? Oft löst die Annahme, dass Eltern als Expert*innen ihrer Kinder angesehen werden können, in Institutionen Widerstände aus.  

Sasha Saumweber beschreibt es in unserem Gespräch so:

„Es sind eben zwei Expertisen. Das eine ist eine fachlich-pädagogische Expertise auf der Seite der Fachkräfte. Und dazu legen wir diese persönlich-private Expertise aus den Familien. [...] Es ist eigentlich nur klug, wenn die klugen Köpfe, die sich um ein Kind drehen, ihre Expertisen zusammenlegen.“

Wir reflektieren gemeinsam, was die Gründe dafür sein könnten, dass die Anerkennung des "Expertenstatus" der Eltern oft Widerstände auslöst und wie eine sinnvolle Erziehungspartnerschaft die professionelle Rolle der Fachkräfte nicht schwächt, sondern durch neue Perspektiven bereichert.

Ein Fazit für uns aus diesem Gespräch ist: Wenn es uns gelingt, eine Haltung entwickeln zu können, die pädagogische Fachkräfte und Eltern gleichermaßen und auf Augenhöhe als Expert*innen für die Lebenssituationen der Kinder ansieht, dann können die vorhandenen Ressourcen optimal genutzt werden. So können alle Beteiligten etwas zu einem „gesunden“ Aufwachsen der Kinder beitragen.

Dieses Gespräch ist eine Einladung, die Konstruktion pädagogischer Wirklichkeit zu hinterfragen. Es geht um Wohlbefinden als Voraussetzung für das Lernen und um die Kunst, Kinder ohne Beschädigung in ihrer Autonomie zu begleiten. Wir laden Sie ein, diesen Austausch über die Wirksamkeit von Haltung in komplexen sozialen Systemen als Impuls für Ihre eigene Reflexion zu nutzen. 

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