12. Juli 2027 Bildung Impulsgespräche

Impulsgespräch: Liridona Idrizi

Liridona ist eine Powerfrau, die genau weiß, was sie kann und will. Sie ist offen für Neues und hat stets ein Lächeln auf den Lippen. Die Leichtigkeit und Fröhlichkeit, die sie ausstrahlt, entsprechen ganz dem Early Excellence-Ansatz der Willkommenskultur.

Julia Lohse, Koordination Stadtteilmütter/Stadtteilväter der LH Hannover

Die 34-jährige Liridona Idrizi ist verheiratet und Mutter von zwei Söhnen. Sie arbeitet als Stadtteilmutter im Familienzentrum Nieschlagstraße und studiert im zweiten Semester Soziale Arbeit. In den vergangenen Jahren hatte sie sowohl beruflich als auch persönlich Berührungspunkte mit dem Early Excellence-Ansatz. Aktuell absolviert sie ein Praktikum im Fachbereich Jugend und Familie der Landeshauptstadt Hannover im Sachgebiet trägerübergreifende Programme mit den Schwerpunkten Familienzentrum und Mehrsprachigkeit.

HHD Stiftung: Sie studieren Soziale Arbeit. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Liridona Idrizi: Tatsächlich hatte ich schon nach meinem Abitur den Wunsch, Soziale Arbeit zu studieren. Doch wie das Leben manchmal spielt: Ich gehörte zum ersten Doppeljahrgang, die Studienplätze waren stark nachgefragt, und ich entschied mich zunächst für eine Ausbildung. Der Wunsch, mit Menschen zu arbeiten, ist jedoch nie ganz verschwunden. Richtig bewusst wurde er mir, als ich Mutter wurde. Durch die Zeit im Familienzentrum habe ich gemerkt, wie sehr mich die Arbeit mit Menschen erfüllt – besonders im Kontext von Familie, Bildung und sozialem Miteinander. Diese Erfahrung hat den ursprünglichen Wunsch wieder wachgerufen und mich schließlich bestärkt, das Studium der Sozialen Arbeit aufzunehmen.

HHD Stiftung: Als Mutter haben Sie sich einem Familienzentrum nach Early Excellence angeschlossen. Warum haben Sie es aufgesucht und was haben Sie dort vorgefunden?

Liridona Idrizi: Als Mutter habe ich mir einen Ort gewünscht, an dem mein Kind gut begleitet wird – aber auch einen Raum, in dem ich selbst willkommen bin. Im Familienzentrum habe ich genau das vorgefunden: eine offene Willkommenskultur, Transparenz in der pädagogischen Arbeit und eine Atmosphäre, in der Eltern miteinander ins Gespräch kommen und sich gegenseitig unterstützen. Besonders beeindruckt hat mich die Haltung des Early Excellence-Ansatzes. Dort habe ich erfahren, was es bedeutet, einen wertschätzenden Blick auf Kinder zu richten. Mir wurde vermittelt, dass ich die Expertin für mein eigenes Kind bin – und genau so wurde ich auch behandelt. Diese Anerkennung und die fachliche Begleitung haben mich in meiner Rolle als Mutter enorm gestärkt. Ich habe erlebt, wie stark Eltern untereinander vernetzt sind, wenn ein Raum für Austausch, Offenheit und gegenseitige Hilfe geschaffen wird. Das Familienzentrum war nicht nur ein Betreuungsort, sondern ein lebendiger Begegnungsraum.

HHD Stiftung: Als Stadtteilmutter haben Sie in einem Familienzentrum nach Early Excellence gearbeitet. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Liridona Idrizi: Aus dieser positiven Erfahrung heraus habe ich als Stadtteilmutter begonnen, selbst aktiv zu werden. Besonders nach meiner Elternzeit – und ganz besonders auch nach der Corona-Zeit – war diese Tätigkeit für mich ein sehr guter und bedeutsamer Wiedereinstieg ins Berufsleben. Gerade im sozialen Bereich konnte ich erneut spüren, wie sehr mich die Arbeit mit Menschen erfüllt. Mein Interesse wurde dadurch nicht nur geweckt, sondern nachhaltig bestärkt – bis hin zu der Entscheidung, Soziale Arbeit zu studieren. Ich habe Familien unterstützt, Kontakte zwischen Eltern und Familienzentrum hergestellt und Brücken gebaut. Dabei habe ich mich sehr wohlgefühlt – insbesondere in der bestärkenden Arbeit mit Eltern. Viele Familien brauchen keine „Anleitung“, sondern Vertrauen, Information und das Gefühl, ernst genommen zu werden. Genau das wollte ich weitergeben. Die Arbeit hat mir gezeigt, wie wichtig Empowerment, Transparenz und kultursensible Kommunikation sind. Ich durfte erleben, wie viel entsteht, wenn Eltern sich gesehen fühlen und Zugang zu unterstützenden Strukturen bekommen.

HHD Stiftung: Aktuell absolvieren Sie ein Praktikum im Fachbereich Jugend und Familie, trägerübergreifende Angelegenheiten und Programme der Landeshauptstadt Hannover. Im Bereich der Familienzentrumsarbeit wird der Early Excellence-Ansatz in allen 51 trägerübergreifenden Einrichtungen gelebt. Welche wichtigen Erkenntnisse haben Sie bisher gewonnen?

Liridona Idrizi: Aktuell vertiefe ich meine Perspektive in meinem Praktikum und schaue in das breit aufgestellte Sachgebiet. Generell kann ich sagen, dass für mich sehr deutlich wurde: Soziale Arbeit ist vor allem eine Frage der Haltung. Ich erkenne zunehmend, dass Early Excellence weit mehr ist als eine Methode – es ist eine Haltung. Eine Haltung, die Ressourcen in den Mittelpunkt stellt, Familien beteiligt und Fachkräfte in ihrer Professionalität stärkt. Besonders prägend ist für mich die systematische Reflexion des „wertschätzenden Blicks“ sowie die Bedeutung von Qualitätsentwicklung und Netzwerkarbeit im Sozialraum.

HHD Stiftung: Wissen Sie schon, was Sie nach Abschluss des Studiums beruflich machen möchten?

Liridona Idrizi: Nach meinem Studium möchte ich vor allem praktisch mit Kindern, Jugendlichen und Familien arbeiten – direkt im sozialen Raum und nah an ihrem Alltag. Besonders gut kann ich mir ein Tätigkeitsfeld wie die Schulsozialarbeit vorstellen, da Schule ein zentraler Lebensort für junge Menschen ist und hier wichtige Weichen für Teilhabe und Chancengerechtigkeit gestellt werden. Gleichzeitig liegt mir die Förderung von Familien und die Stärkung sozialer Räume weiterhin sehr am Herzen – sei es im Kontext von Familienbildung, im Stadtteil oder in der Schule. Ich möchte dort wirken, wo Beziehungen aufgebaut, Ressourcen sichtbar gemacht und Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt werden können. Mir ist wichtig, zu begleiten, zu unterstützen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Langfristig sehe ich mich in einem Arbeitsfeld, das fachliche Qualität, politische Verantwortung und praktische Nähe zu Familien miteinander verbindet.

Vielen Dank für das Gespräch.

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