Ein Familienzentrum ist ein niedrigschwelliger und sozialraumorientierter Ort für alle Familien eines Quartiers, der familienentlastende, passgenaue und zielgruppenorientierte Unterstützung anbietet und Begegnungen fördert.
Prof. Dr. Anne-Katrin Schührer aus: https://www.socialnet.de/lexikon/Familienzentrum

Fachartikel: Warum Early Excellence und Familienzentren gut zusammenpassen
Was brauchen Kinder, um sich gut zu entwickeln? Und was brauchen Familien, damit sie ihre Kinder auf diesem Weg gut begleiten können? Die Antwort liegt nicht allein in der pädagogischen Arbeit mit dem einzelnen Kind. Sie liegt auch in den Beziehungen, den Möglichkeiten zur Begegnung und den Unterstützungsangeboten, die Familien in ihrem Alltag vorfinden.
Familienzentren können hierfür wichtige Orte sein. Sie verbinden frühkindliche Bildung mit Angeboten für Eltern, schaffen Begegnungsmöglichkeiten und öffnen sich für das Umfeld, in dem Kinder und Familien leben. Damit sind sie mehr als Kindertageseinrichtungen mit zusätzlichen Angeboten: Sie können zu Orten werden, an denen Bildung, Unterstützung und Gemeinschaft zusammenfinden.
Die Heinz und Heide Dürr Stiftung beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie solche Orte gestaltet und pädagogisch weiterentwickelt werden können. Im Jahr 2000 holte die Stiftung den Early Excellence-Ansatz aus England nach Deutschland. Gemeinsam mit dem Pestalozzi-Fröbel-Haus begann damals ein Modellprojekt in Berlin. Die Stiftung unterstützt die Verbreitung und qualitative Weiterentwicklung von Early Excellence und fördert bundesweit Kinder- und Familienzentren, die nach diesem Ansatz arbeiten.
Early Excellence ist dabei nicht als zusätzliches Programm zu verstehen, das neben der eigentlichen Familienzentrumsarbeit steht. Vielmehr geht es um eine pädagogische Haltung, die den Blick auf Kinder, Eltern und Fachkräfte verändern kann. Kinder werden in ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten wahrgenommen. Eltern bringen ihre Erfahrungen und ihr Wissen über ihre Kinder ein. Und pädagogische Fachkräfte reflektieren ihr eigenes Handeln und entwickeln ihre Arbeit gemeinsam mit den Familien weiter.
Wie diese Verbindung in der Praxis verstanden werden kann, zeigt der Fachartikel von Andreas Reith, Early Excellence-Berater und Koordinator der Heinz und Heide Dürr Stiftung für die Region Nord-West. Unter dem Titel „Early Excellence als pädagogische Grundlage für Familienzentren“ beschreibt er in KiTa aktuell spezial 3/2026, warum beide Ansätze für ihn so gut zusammenpassen. Sein Beitrag nimmt die Gemeinsamkeiten in den Blick und verbindet fachliche Überlegungen mit Erfahrungen aus seiner Arbeit als Fachberater, Koordinator und Referent.
Familienzentren richten sich an Familien in ihrer ganzen Vielfalt. Sie können Eltern Beratung und Unterstützung anbieten, Räume für Begegnung schaffen oder Kontakte zu weiteren Einrichtungen und Angeboten im Stadtteil vermitteln. Dabei geht es nicht nur darum, auf bestehende Probleme zu reagieren. Familienzentren können auch dazu beitragen, dass Familien frühzeitig Zugang zu Bildung, Unterstützung und sozialen Netzwerken finden.
Der Early Excellence-Ansatz bringt hierfür eine Perspektive ein, die bei den Stärken und Möglichkeiten der Beteiligten ansetzt. Ein Kind wird nicht zuerst danach betrachtet, was ihm fehlt oder wo es Unterstützung benötigt. Vielmehr geht es darum, seine Interessen zu erkennen, seine Fähigkeiten wahrzunehmen und seine Entwicklung aufmerksam zu begleiten. Diese Perspektive ist für die Arbeit in Familienzentren besonders wertvoll. Denn die Zusammenarbeit mit Familien gelingt dort, wo Eltern sich willkommen fühlen und ihre Erfahrungen einbringen können. Wenn Fachkräfte ihnen mit Offenheit begegnen, entsteht die Möglichkeit, gemeinsam auf die Entwicklung des Kindes zu schauen und passende Wege zu finden.
Dabei ist es entscheidend, dass Familienzentren nicht überall gleich aussehen müssen. Die Bedürfnisse der Familien unterscheiden sich ebenso wie die Bedingungen vor Ort. Ein Familienzentrum in einem dicht besiedelten Stadtteil steht möglicherweise vor anderen Aufgaben als eine Einrichtung in einer ländlichen Gemeinde. Entscheidend ist deshalb, dass die pädagogische Arbeit und die Angebote zum jeweiligen Sozialraum passen. Early Excellence bietet hierfür Orientierung, ohne eine starre Form vorzugeben. Der Ansatz kann dabei helfen, die Perspektive der Kinder und Familien in den Mittelpunkt zu rücken, die Zusammenarbeit im Team zu stärken und die eigene Praxis regelmäßig zu hinterfragen. Familienzentren können diese Haltung mit ihren jeweiligen Angeboten, Räumen und Kooperationen verbinden.
Auch die pädagogischen Fachkräfte spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sind es, die Kinder im Alltag begleiten, Bildungsprozesse beobachten, Beziehungen gestalten und mit Eltern im Austausch stehen. Für die Heinz und Heide Dürr Stiftung gehört deshalb die Qualifizierung und fachliche Begleitung der Mitarbeitenden wesentlich zur Verbreitung von Early Excellence. Der Ansatz soll nicht nur bekannt sein, sondern in der täglichen Arbeit erkennbar werden.
Ein wichtiger Gedanke ist dabei, dass Bildung nicht ausschließlich innerhalb der Kita stattfindet. Kinder lernen in ihren Familien, in der Nachbarschaft, im Spiel mit anderen und durch die Erfahrungen, die sie in ihrem Alltag machen. Familienzentren können diese unterschiedlichen Lebensbereiche miteinander verbinden und dadurch neue Möglichkeiten für Bildung und Teilhabe schaffen. Wenn Eltern in die Bildungsprozesse ihrer Kinder einbezogen werden, profitieren davon nicht nur die Kinder. Auch die Eltern erhalten Raum, ihre eigenen Fragen und Erfahrungen einzubringen. Sie können andere Familien kennenlernen, Unterstützung finden und ihre eigenen Kompetenzen weiterentwickeln. Eine solche Zusammenarbeit stärkt die Beziehung zwischen Familien und pädagogischen Einrichtungen.
Die Heinz und Heide Dürr Stiftung unterstützt diese Entwicklung mit unterschiedlichen Angeboten, Publikationen und Fortbildungsformaten. Dazu gehört auch die fachliche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen, vor denen Familienzentren heute stehen. In ihrer Schriftenreihe hat sie beispielsweise die Entwicklung von Kitas zu Familienzentren, die Zusammenarbeit mit Eltern und die Bedeutung von Early Excellence für eine armutsreflexive pädagogische Praxis aufgegriffen.
Familienzentren können damit wichtige Beiträge zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten. Sie erreichen Kinder und Eltern in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld und schaffen Möglichkeiten, Unterstützung frühzeitig zugänglich zu machen. Dabei geht es nicht darum, allen Familien dasselbe anzubieten. Vielmehr braucht es Angebote, die unterschiedliche Lebenslagen berücksichtigen und Beteiligung ermöglichen.
Für die Heinz und Heide Dürr Stiftung ist Early Excellence deshalb ein Ansatz, der sich immer wieder mit den Fragen der Praxis auseinandersetzen muss. Wie gelingt es, jedes Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten wahrzunehmen? Wie können Eltern als Partner*innen einbezogen werden? Und wie kann eine Einrichtung so gestaltet werden, dass sie für Familien im Stadtteil ein verlässlicher und offener Ort ist? Die Antworten darauf entstehen nicht allein in Konzeptpapieren. Sie entwickeln sich in der täglichen Arbeit, in der Zusammenarbeit mit Familien, im Austausch der Fachkräfte und in der Bereitschaft, die eigene Praxis weiterzuentwickeln.
Der Fachartikel von Andreas Reith gibt dazu einen praxisorientierten Impuls. Er macht deutlich, wie eng die Arbeit in Familienzentren mit den Grundgedanken von Early Excellence verbunden werden kann. Für die Stiftung ist diese Verbindung ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit an der Qualität frühkindlicher Bildung und an der Unterstützung von Kindern und Familien.
Andreas Reith: „Early Excellence als pädagogische Grundlage für Familienzentren. Ein praxisorientierter Blick auf die Gemeinsamkeiten“. Der Fachartikel ist erschienen in KiTa aktuell spezial 3/2026, S. 32–33.










