17. September 2026 Stiftung Forschung

KI in Stiftungen: Digitalisierung braucht Verantwortung

Der Bericht des Bundesverbands Deutscher Stiftungen zeigt zugleich, dass KI nicht deshalb eingesetzt werden sollte, weil sie verfügbar ist. Entscheidend ist vielmehr, ob sie für eine konkrete Aufgabe einen sinnvollen Beitrag leistet und sich verantwortungsvoll in die Arbeit einer Stiftung integrieren lässt.

Künstliche Intelligenz verändert, wie wir arbeiten, Informationen verarbeiten und Entscheidungen vorbereiten. Auch in Stiftungen ist diese Entwicklung längst angekommen. Der aktuelle „Stiftungsfokus Nr. 22 – Künstliche Intelligenz in der Stiftungsarbeit“ des Bundesverbands Deutscher Stiftungen zeigt, dass inzwischen 41 Prozent der befragten Stiftungen KI einsetzen. Weitere 16 Prozent planen dies. Besonders häufig wird KI für Recherche, Wissensmanagement und Kommunikation genutzt. Gleichzeitig wird deutlich: Die technische Möglichkeit, KI einzusetzen, entwickelt sich schneller als die organisatorische Auseinandersetzung mit ihren Folgen.

Für Stiftungen ist das eine interessante Ausgangslage. Digitalisierung bedeutet schließlich nicht allein, neue Technologien verfügbar zu machen. Sie bedeutet auch, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie diese Technologien mit dem eigenen Auftrag, den eigenen Werten und der eigenen Verantwortung zusammenpassen. Genau hier beginnt die eigentliche Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz.

Denn KI kann vieles erleichtern. Sie kann Informationen schneller erschließen, Texte strukturieren, Arbeitsprozesse unterstützen und bei der Auswertung von Daten helfen. Gerade für Stiftungen, die mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen arbeiten, können solche Möglichkeiten attraktiv sein. Der Bericht des Bundesverbands Deutscher Stiftungen zeigt zugleich, dass KI nicht deshalb eingesetzt werden sollte, weil sie verfügbar ist. Entscheidend ist vielmehr, ob sie für eine konkrete Aufgabe einen sinnvollen Beitrag leistet und sich verantwortungsvoll in die Arbeit einer Stiftung integrieren lässt.

Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die über technische Effizienz hinausgeht: Wer trägt die Verantwortung, wenn KI Teil eines Arbeitsprozesses wird? Ein von einer KI erstellter Text kann überzeugend klingen und trotzdem Fehler enthalten. Eine Recherche kann schnell erstellt sein, ohne dass damit automatisch ihre Qualität gesichert ist. Und eine KI-gestützte Auswertung kann Ergebnisse liefern, die auf problematischen oder verzerrten Daten beruhen. Gerade dort, wo Entscheidungen Auswirkungen auf Menschen haben, reicht es deshalb nicht, sich auf ein technisches System zu verlassen. Es braucht weiterhin Menschen, die Ergebnisse einordnen, prüfen und Verantwortung übernehmen.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit KI bedeutet nicht, jede neue Anwendung grundsätzlich abzulehnen. Ebenso wenig bedeutet er, technische Innovation möglichst schnell zu übernehmen. Es geht vielmehr darum, bewusst abzuwägen: Wo unterstützt KI unsere Arbeit? Wo verbessert sie Prozesse? Wo entstehen neue Risiken? Und an welchen Stellen sollte bewusst weiterhin der Mensch im Mittelpunkt stehen?

Nach den Ergebnissen des Stiftungsfokus haben bislang 39 Prozent der KI-nutzenden Stiftungen den Einsatz bereits klar oder teilweise geregelt. Gleichzeitig planen weitere Stiftungen entsprechende Regelungen. Die praktische Nutzung ist damit vielerorts schon weiter als die formale Verankerung innerhalb der Organisation.

Das zeigt: Verantwortungsvolle Digitalisierung entsteht nicht allein durch die Anschaffung eines Tools. Sie braucht Wissen, Austausch und klare Orientierung. Mitarbeitende müssen wissen, welche Anwendungen für ihre Aufgaben sinnvoll sind, welche Informationen sie einer KI anvertrauen können und wo eine zusätzliche Prüfung notwendig ist. Entsprechend hoch ist der Bedarf an praktischen Beispielen, Orientierung bei möglichen Einsatzfeldern und Informationen zu rechtlichen Fragen und zur Qualität KI-generierter Inhalte.

Dabei ist es ebenso wichtig, eine Entscheidung gegen den Einsatz von KI ernst zu nehmen. Nicht jede Aufgabe wird durch künstliche Intelligenz besser. Auch zu erkennen, dass eine Technologie für den eigenen Zweck keinen Mehrwert bietet, kann Ausdruck eines verantwortungsvollen Umgangs mit Digitalisierung sein.

Gleichzeitig eröffnet KI neue Möglichkeiten für die Stiftungsarbeit selbst. Künstliche Intelligenz kann nicht nur ein Werkzeug sein, sondern auch zum Gegenstand von Förderung und Programmarbeit werden – etwa wenn es um digitale Teilhabe, den Aufbau von KI-Kompetenzen, gemeinwohlorientierte Anwendungen oder die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken dieser Technologie geht. Damit erweitert sich die Perspektive: Stiftungen können nicht nur überlegen, wie sie KI intern nutzen, sondern auch, welche Rolle sie in einer Gesellschaft übernehmen wollen, in der künstliche Intelligenz zunehmend unseren Alltag prägt.

Für uns bedeutet das, Digitalisierung und Verantwortung zusammenzudenken. KI bietet Chancen, Arbeitsabläufe neu zu gestalten und Ressourcen gezielter einzusetzen. Aber der technologische Fortschritt nimmt uns die Verantwortung nicht ab – im Gegenteil: Je mehr Entscheidungen und Prozesse durch digitale Systeme unterstützt werden, desto wichtiger wird die bewusste Auseinandersetzung mit ihren Auswirkungen.

Der „Stiftungsfokus Nr. 22“ des Bundesverbands Deutscher Stiftungen liefert dafür eine wichtige Momentaufnahme: KI wird bereits genutzt, doch viele Stiftungen befinden sich noch auf dem Weg, den Einsatz organisatorisch, rechtlich und ethisch zu verankern.

Weiterführende Links

Ergebnisse der Jahresbefragung

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