In ihrem Buch »Die Weltveränderer. Generation Y zwischen Erfolg und Ethik.« diskutiert die Autorin Katharina de Biasi mit dem Unternehmer und Stifter Heinz Dürr und dem Flixbus-Gründer Daniel Krauss über Moral, Ethik, Erfolg und Verantwortung. Für uns beantwortet sie drei Fragen...

1. Was hat Sie motiviert Heinz Dürr für Ihr Buch zum Thema Generation Y hinzuziehen?

Katharina de Biasi: Als ich Herrn Dürr das erste Mal traf, referierte er zum Thema „Die Verantwortung der Unternehmen und die Führungsverantwortung des Einzelnen“ und ließ tief hinter die Kulissen des Lebens als "Unternehmer aus Überzeugung und Leidenschaft“ blicken, wie er sich selbst bezeichnete. Dennoch kreisten während und auch nach seinem Vortrag noch zahlreiche Fragen in meinem Kopf, die zunächst unbeantwortet blieben. Viele davon drehten sich um die Verantwortung der Generation Y, die in Kürze die Generation der Babyboomer ablösen wird, deren Vertreter die Chefetagen altersbedingt verlassen werden. Ich fragte mich, ob der Nachwuchs, zu dem auch ich selbst zähle, bereit ist für den Chefsessel, welche Fähigkeiten es bedarf, um ein „guter“ Unternehmer zu werden, was dieses „gut“ heute noch bedeutet und wie es in diesem Zusammenhang z.B. um die traditionellen Werte des Ehrbaren Kaufmannes sowie dass Verantwortung im digitalen Zeitalter bestellt ist, gerät dieser vor dem Hintergrund aktueller Vorkommnisse, wie z.B. der Facebook-Datenskandal oder auch die VW-Dieselaffäre immer mehr unter Beschuss. Alles Fragen, mit denen sich Herr Dürr als „alter Hase“ im Geschäft bereits auseinandergesetzten musste und seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht hat und damit prädestiniert zur Beantwortung dieser ist und so seine Erkenntnisse an die „jungen Wilden“ weitergeben kann.

2. Was sollte eine Stiftung Ihrer Meinung nach für eine Aufgabe haben?

Katharina de Biasi: Bei der zweiten Frage würde ich mich direkt auf Herrn Dürr beziehen und dem zustimmen, was er in unserem Gespräch über die Aufgabe einer Stiftung und die Bedeutung eines Stifters gesagt hat. Er meinte, dass es gewisse Dinge gäbe, die zu erledigen ein Staat schlichtweg nicht in der Lage sei. Aufgabe einer Stiftung ist es daher, eben diese Dinge zu erledigen, indem sie mit der entsprechenden Erfahrung und den notwendigen finanziellen Mitteln einspringt. Zur Bedeutung des Stifters sagte er: „Wer stiftet, wirft Anker in die Zeit und in die Zukunft.“ Ich finde dies einen bemerkenswerten Satz, da ich mich in meiner Doktorarbeit mit der Bedeutung von Kontinuität in Zeiten des Wandels und in diesem Zusammenhang auch mit der Bedeutung von so genannten „Focal Points“, also gewissermaßen Ankern, auseinandergesetzt habe, die Vertrauen schaffen. Solche Anker, wie es z.B. auch die Werte des Ehrbaren Kaufmannes sein können, geben uns den in Zeiten des ständigen Wandels notwendigen Halt und das Vertrauen, nicht dessen Überforderung zu erliegen und uns nicht dem an sich ebenfalls notwendigen Wandel zu widersetzen. Demnach sind solche Anker gerade in Zeiten der Digitalisierung und des ständigen Wandels, wie wir ihn aktuell erleben, unabdingbar und machen damit auch die Arbeit einer Stiftung zu einer sehr bedeutsamen.

3. Was ist Ihr ganz persönlicher Aufruf an die Generation Y  in einem Satz?

Katharina de Biasi: Meinen Aufruf an die Generation Y in einen Satz zu packen ist nicht nur eine wahre Herausforderung, sondern beinahe unmöglich. Das liegt vor allem daran, dass ich selbst Teil dieser Generation bin und ich es somit anmaßend fände zu glauben, dieser Generation einen Rat erteilen zu können. Daher würde ich mich auch hier lieber auf die weisen Worte eines weitaus erfahreneren Mannes berufen, den ich bereits im Buch zitiert habe und das ist Winston Churchill, der gesagt haben soll: "Ihr werdet heute mehr gebraucht als jemals zuvor. Ergreift den Mantel der Geschichte. Denn dies ist Eure Zeit.“

Liebe Frau de Biasi, herzlichen Dank für das Interview!

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