Wenn Kita-Teams Erwartungen klären und Eltern als Expert*innen ihres Kindes ernst nehmen, entsteht eine Zusammenarbeit, die sowohl das Kind als auch die Familie stärkt.
Prof. Dr. Lucie Kluge
Besondere Begabung und Early Excellence
Der Auftrag der Karg-Stiftung ist u.a. die Förderung von hochbegabten Kindern im Bereich der frühkindlichen Bildung. Die Heinz und Heide Dürr Stiftung fördert seit mehr als 25 Jahren den Early Excellence-Ansatz, der auf Erziehungspartnerschaften setzt. Prof. Dr. Lucie Kluge, ehemalige Absolventin des Promovend*innen-Programms der Heinz und Heide Dürr Stiftung und Professorin für Soziale Arbeit und Frühe Bildung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg bringt für das Karg Magazin Nr. 4 den Aspekt der besonderen Begabung und die Möglichkeiten, die der Early Excellence-Ansatz im pädagogischen Umgang damit bietet zusammen.
Lucie Kluge sieht im Early Excellence-Ansatz eine Möglichkeit für eine hochwertige Zusammenarbeit zwischen Familien und Einrichtungen, da dieser Machtungleichheitsverhältnisse minimiere und Expert*innenrollen hervorhebe. Im Zentrum ihres Artikels gibt die Autorin Antworten darauf, wie die beiden Aspekte – besondere Begabungen und der Early Excellence-Ansatz – zusammengebracht werden können und welche Unterschiede dabei zur üblichen Zusammenarbeit zwischen Kitas und Familien festzuhalten sind.
Die Autorin argumentiert die Passung des Early Excellence-Ansatzes für Kinder mit besonderen Begabungen u.a. anhand der drei Säulen (1. Säule: Jedes Kind ist exzellent, 2. Säule: Eltern*) sind Expert*innen ihrer Kinder und 3. Säule: Einrichtungen öffnen und vernetzen sich), des Ethischen Codes und des sogenannten Pen-Green-Loops, der einen kontinuierlichen Kreislauf aus Beobachtungen, Dokumentationen, Reflexionen und dem gemeinsamen Dialog mit Rückkopplungen beschreibt. Letzteres sei besonders wichtig, da viele hochbegabte Kinder sensibel auf Unstimmigkeiten reagieren und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hätten. Dies erfordere ein kontinuierliches Austarieren in pädagogischen Gestaltungsprozessen.
Von den pädagogischen Fachkräften würde eine hohe professionelle Sensibilität verlangt, wenn sie unterschiedliche Bildungsmilieus, Kulturen und familiäre Werte reflektieren und für das jeweilige Kind und die Familie ein passendes Förderangebot entwickeln sollen. Dazu müssten die pädagogischen Fachkräfte gegebenenfalls ihr Wissen über die Lebenssituation von hochbegabten Kindern erweitern und sich in das Thema Hochbegabung einarbeiten. Lucie Kluge, die zum Thema „Kindertagesbetreuung, Soziale Arbeit und der Early Excellence-Ansatz” promoviert hat, sieht im Early Excellence-Ansatz eine konzeptionelle Möglichkeit, diesen Rahmen erfolgreich zu gestalten, da er professionelle Sensibilität als zentrales Leitprinzip versteht.
Ein Artikel für Fachkräfte aber auch für Familien von Kindern mit besonderen Begabungen, die nach einem balancierten Vorgehen zwischen der individuellen Förderung des Kindes auf der einen Seite und der selbstverständlichen Teilhabe und Gleichwertigkeit in der Kindergruppe, ohne dass das Kind einen Sonderstatus einnimmt, auf der anderen Seite suchen.
Prof. Dr. Lucie Kluge ist Professorin für Soziale Arbeit und Frühe Bildung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg am Standort Stuttgart und dort als Studiengangsleitung tätig. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind: Soziale Arbeit im Kontext Kindheitspädagogik, Theorien und Methoden Sozialer Arbeit, Ansätze in der Frühen Bildung, Biografiearbeit, die Zusammenarbeit mit Familien und die Konstruktion sowie die (präventive) Begleitung von Elternschaft und Familie.
*) Mit Eltern sind alle Menschen einer Verantwortungsgemeinschaft gemeint, z.B. auch Pflegeeltern, Großeltern, etc.

