Dr. Annette Lepenies ist stellvertretende Vorsitzende im Kuratorium der Heinz und Heide Dürr Stiftung. Doch nicht nur das! Als Dipl. Psychologin und Kinder- und Familientherapeutin hat sie vor nunmehr 20 Jahren den Ansatz der frühkindlichen Bildung "Early Excellence nicht nur in die Stiftung, sondern damit auch nach ganz Deutschland gebracht. Wie sowas geht, haben wir direkt nachgefragt ...

1. Sie haben der Stiftung vor 20 Jahren vorgeschlagen, ein Early Excellence-Pilotprojekt in Deutschland durchzuführen. Wie kamen Sie darauf?

Annette Lepenies: "Auf Anregung von Heide Dürr sollte ein Erziehungsprojekt für junge Eltern mit Kindern gefördert werden. Als Kinder -und Familientherapeutin war es mir selbstverständlich, die Eltern, oft auch das soziale Umfeld des Kindes einzubeziehen. In der institutionellen Erziehung spielten Eltern eher eine begleitende Rolle. Dies war gesamtdeutscher Konsens - aus unterschiedlichen ideologischen Gründen. Ich habe daher eine Recherche internationaler Best-Praxis-Einrichtungen durchgeführt. Meine Wahl fiel auf ein vorbildhaftes Programm in England, das Pen Green Centre in Corby , das mit seiner theoretischen und praktischen Erfahrung alle wünschenswerten Eigenschaften verband: eine qualitätsvolle Erziehung, den Einbezug der Eltern und eine sozial-ökologische Orientierung. Ein Besuch im Pen Green Centre, sowie die Bereitschaft des Pestalozzi-Fröbel Hauses (Berlin) ein Pilot-Projekt zu starten, überzeugten die Heinz und Heide Dürr Stiftung. So hat es begonnen und mittlerweile hat das Early Excellence-Konzept die pädagogische Landschaft sehr bereichert."

2. Wie „implementiert“ man ein pädagogisches Konzept ganz praktisch in den Bildungsapparat?

Annette Lepenies: "Eine persönliche Erziehungseinstellung zu ändern ist extrem schwierig, auch der ‚Bildungsapparat’ neigt nicht gerne zur Änderung. Lernpsychologisch stärkt man erst einmal das, was bisher gut war und beginnt dann mit kleinen, erfolgsbringenden Änderungen.

Die Heinz und Heide Dürr Stiftung fördert die Arbeit der Erzieher*innen mit Weiterbildungen, Übernahme der Personalkosten, Materialien, Schulungen, Netzwerktreffen, Festen und würdigt ‚ganz praxisnah’ und sehr erfolgsreich die wichtige Erziehungsleistung."

3. Early Excellence klingt fälschlicherweise wie ein Elitebegriff. Wenn Sie den Begriff auf Deutsch übersetzen würden, wie könnte dieses Konzept der frühkindlichen Bildung dann heißen?

Annette Lepenies: "Die Bezeichnung ist perfekt, denn sie eröffnet einen neuen, wertschätzenden Blick auf die frühe Kindheit. Early Excellence ist ein Elitebegriff – im umfassenden Sinn! Der Leitgedanke: „Jedes Kind ist exzellent“ mit der Betonung auf ‚jedes’, bestimmt die pädagogische Haltung und verdeutlicht, dass jedes Kind einzigartig ist. Grundlage ist ein positives Menschenbild für alle Beteiligten – auch für die Eltern und die Erzieher und - immer gilt die Exzellenzvermutung bei jedem Kind."

Vielen Dank für das spannende Gespräch!

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