Eine Gesellschaft kann sich nur weiterentwickeln, wenn sie sich ständig neuen Herausforderungen stellt.
Heinz Dürr

September: Monat der Demokratie
Rund um den Tag der Demokratie am 15. September koordiniert die Stiftung Zukunft Berlin, gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, den „Monat der Demokratie“.
Berliner*innen und Besucher*innen der Hauptstadt erwartet ein vielfältiges Programm an Veranstaltungen rund um das Thema Demokratie: von Nachbarschaftsfesten, Stadtspaziergängen und Ausstellungen über Workshops und Lesungen bis hin zu Podiumsgesprächen, Filmvorführungen und zahlreichen Angeboten für Kinder und Jugendliche.
Stiftungen stärken Demokratie, indem sie Bildung, Beteiligung, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Eine besondere Rolle kommt ihnen dabei auch als Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu. Sie können Räume schaffen, in denen unterschiedliche Akteur*innen miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsame Perspektiven entwickeln.
Bildung und Teilhabe als gelebte Demokratie
Die Heinz und Heide Dürr Stiftung bringt mit dem Early Excellence-Ansatz, der einen seiner Schwerpunkte auf Elternpartizipation legt, einen solchen demokratiepädagogischen Gedanken ganz konkret zum Ausdruck. Alle Mitglieder einer Erziehungsgemeinschaft werden dabei nicht nur als „Adressat*innen“ professioneller Pädagogik verstanden, sondern als Mitgestaltende der Bildungsprozesse ihrer Kinder. Dadurch verschieben sich "Machtstrukturen" und Expertise wird ein Stück weit von der Institution hin zur Familie verlagert.
Ein weiterer Schwerpunkt des Ansatzes der frühkindlichen Bildung liegt auf der Verbesserung von Teilhabechancen der Kinder und Familien. Auf gesellschaftspolitischer Ebene werden Familien mit Kitas, Schulen und Familienzentren vernetzt. Insbesondere neu zugewanderte Familien werden bei ihrer Orientierung und gesellschaftlichen Partizipation unterstützt. Offenheit, Respekt, Inklusion sowie gleiche Bildungs- und Teilhabechancen stehen dabei im Mittelpunkt. Konkreten Ausdruck findet dieser Ansatz auch in der Verbindung von Bildung und Kultur. Die Förderung der Komischen Oper für Kinder aus geflüchteten Familien im Rahmen von Willkommensklassen verbindet Sprache, Musik, Theater und Begegnung. Dabei werden nicht nur die Kinder, sondern auch die Familien und die gesamte Schule einbezogen.
Kultur als Raum demokratischer Auseinandersetzung
Im Förderfeld Kultur ist die Erinnerungskultur ein wichtiger Bereich gelebter demokratischer Werte. Die Stiftung fördert beispielsweise das Exilmuseum Berlin, das Jüdische Museum Berlin und verschiedene Projekte zur Erinnerungskultur. Die Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte, Nationalsozialismus, Exil, Ausgrenzung und Verfolgung ist eine wichtige Grundlage demokratischer Selbstverständigung.
Darüber hinaus fördert die Stiftung neues Theater. Mit dem Gedanken, dass „Theater ein Stück Arbeit an der Gesellschaft“ (Heinz Dürr) ist, unterstützt sie insbesondere Autor*innen bei der Entwicklung neuer Stücke. Damit wird die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konflikten, unterschiedlichen Perspektiven und aktuellen Fragen gefördert – und ein Raum geschaffen, in dem Gesellschaft sich selbst beobachten, hinterfragen und diskutieren kann.
Innovation und Verantwortung für eine demokratische Gesellschaft
Auch im Forschungsbereich lassen sich Bezüge zu demokratischen Werten erkennen. Ein Schwerpunkt liegt unter anderem auf der Förderung der Forschung zu seltenen Erkrankungen. Dies kann insofern als demokratischer Ansatz verstanden werden, weil Forschung auch dort unterstützt wird, wo der Markt allein keine ausreichenden Anreize setzt. Damit wird das Prinzip gleicher Teilhabe am medizinischen Fortschritt gestärkt.
Auch bei der Förderung von Digitalisierung steht nicht primär „mehr Technik“ im Mittelpunkt. Vielmehr stellt die Stiftung die ethische Dimension eines verantwortungsvollen Umgangs mit digitalen Technologien und Künstlicher Intelligenz in den Fokus. Heinz Dürr formuliert den dahinterliegenden Gedanken sehr deutlich: Es müsse darum gehen, dass „wir als Menschen die Technik beherrschen und nicht umgekehrt die Technik zum Herrscher über die Menschen wird.“ Dahinter stehen grundlegende gesellschaftspolitische Fragen wie: Wer entscheidet über den Einsatz von KI? Wie verhindern wir neue Formen von Ungleichheit? Wie bleibt technologische Entwicklung mit menschlichen und demokratischen Werten vereinbar?
Die Heinz und Heide Dürr Stiftung versteht gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit damit nicht ausschließlich als wirtschaftlichen oder technologischen Fortschritt, sondern verbindet Innovation mit Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. So verfolgt die Stiftung einen impliziten, querschnittlichen Demokratieansatz, der sich in unterschiedlichen Förderbereichen zeigt: in Teilhabe, Bildungsgerechtigkeit, Elternpartizipation und Inklusion ebenso wie in kultureller Teilhabe und der öffentlichen Auseinandersetzung mit Geschichte und gesellschaftlichen Fragen. Demokratie wird dabei nicht nur als politisches System verstanden, sondern als etwas, das im Alltag, in Bildung, Kultur, Forschung und gesellschaftlichem Miteinander immer wieder neu gestaltet werden muss.