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Wissenschaft meets Praxis mit Anja Kerle

1,5 Millionen Kindern leben aktuell mit Hartz IV-Bezug – ein Armutszeugnis für ein so reiches Land wie Deutschland. Mit einigen neuen Maßnahmen, wie einer Kindergrundsicherung versucht die neue Bundesregierung der weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken. Ebenso setzt auch der Early Excellence-Ansatz darauf, Kinder frühzeitig individuell zu fördern, gezielt mit dem “positiven Blick”. Dabei werden keine Unterschiede zwischen der Herkunft und den sozialen Rahmenbedingungen der Kinder gemacht. Inwiefern dieser Ansatz in den Early Excellence-Einrichtungen funktioniert und welche Potenziale der Ansatz im Umgang mit Armut bereithält, hat Anja Kerle in ihrem Vortrag “Early Excellence und der Umgang mit Armut” genau und kritisch unter die Lupe genommen.

Einen Überblick schaffen: Wie gelingt Early Excellence-Einrichtungen der Umgang mit Armut?

Die Promovendin der Hochschule Esslingen Anja Kerle forschte in ihrer Dissertationsstudie “Armut im Blick? Eine dispositivanalytische Ethnografie zu Familienzentren nach Early Excellence”, inwiefern die Einrichtungen mit der Early Excellence-Methodik, insbesondere dem “positiven Blick”, dem Anspruch zum Abbau sozialer Ungleichheiten nachkommen. Anschaulich, strukturiert und mitreißend, stellte die Referentin ihre Forschungsergebnisse vor, die sie vergangene Woche als Dissertation einreichen durfte. Diese enthalten durchaus kritische Anmerkungen, aber behalten dennoch die Entwicklung und Potenzialentfaltung von Early Excellence im Blick.

Der positive Blick – als Hauptschwerpunkt in der Arbeit mit Eltern und Kindern.

Besonders der positive Blick wird im Early Excellence-Ansatz verwendet, um eine wertschätzende und ressourcenorientierte Haltung gegenüber allen Kindern zu kultivieren. Dabei deklariert die Early Excellence-Programmatik, dass dieser Blick stets wertfrei und objektiv auf die Kinder gerichtet ist: Mithilfe von bestimmten Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren, werden Kinder ressourcenorientiert betrachtet und ihre Stärken herausgestellt.

Doch stellt Anja Kerle kritisch in ihren Ergebnissen fest, dass der positive Blick nie wertneutral erfolgen kann, da immer gewisse, positive Bewertungen bei der Betrachtung des Verhaltens der Kinder mitspielen.

Ausblick.

Wie andere Forschungsarbeiten weisen die Ergebnisse der Dissertationsstudie von Anja Kerle auf gewisse „Spannungsfelder“ im Early Excellence-Ansatz hin, für die es Lösungen zu finden gilt. Hiermit wird sich das Team der Heinz und Heide Dürr Stiftung eingehender beschäftigen und hierzu im Austausch mit der Praxis Vorschläge erarbeiten. Vorgesehen ist auch, dass die Forschungsergebnisse von Anja Kerle in einer neuen Schriftenreihe mit Handlungsempfehlungen für die Praxis publiziert werden.

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