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3 Fragen an: Achim Nebel aus Braunschweig

Die „3 Fragen an…“ sind unser regelmäßiges Interview-Format mit einem Mitglied aus dem Early Excellence Bereich. Achim Nebel, Leitung AWO Kinder- und Familienzentrum  (KIFAZ) Schefflerstraße, Braunschweig beantwortet uns seine 3 Fragen.

1. Wann würden Sie sagen, ist Ihr Interesse mit Eltern und Kinder zu arbeiten erwacht?

Ich bin 1959 in Schöppenstedt in einfachen Familienverhältnissen geboren und dort als sechstes Kind meiner Eltern aufgewachsen. Meine älteste Schwester war zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Jahre alt, alle anderen deutlich älter als ich. Aufgewachsen bin ich mehr mit den Kindern meiner ältesten Schwester, dabei hatte Familie immer einen hohen Stellenwert. Im Alter von 16 Jahren verstarb mein Vater, nachdem er ein halbes Jahr in Rente war. Von daher war ich früh auf mich selbst gestellt und habe auch zum Unterhalt der Familie beigetragen.

Als Kind hatte ich schon früh Kontakt zu den „Falken“. Dort bin ich regelmäßig in Zeltlagern und auf Freizeiten mitgefahren. Als Jugendlicher und junger Erwachsener habe ich dann etwa 10 Jahre lang die wöchentliche Kinder- und Jugendarbeit sowie Zeltlager und Wochenendfreizeiten u.v.m. organisiert und mit durchgeführt. In dieser Zeit entwickelte ich meine politische Haltung und die Rechte von Kindern waren mir ein zentrales Anliegen. Toleranz, Solidarität, Mitbestimmung, demokratische Strukturen und Interessenvertretung (insbesondere auch von Kindern) sind schon immer handlungsleitend für mich gewesen.

Dieser Erfahrungshintergrund hat dann zu meiner Entscheidung geführt, die Ausbildung zum Erzieher zu machen. Dies hatte meinen Umzug nach Braunschweig zur Folge, wo ich einige Jahre in einer WG gewohnt habe.

2. Wo liegt Ihr persönlicher Schwerpunkt in der Arbeit mit Kindern, Eltern und Familien?

Ich bin verheiratet, habe zwei erwachsene Söhne und erlebte auch Kindergarten und Schule aus der Elternperspektive. Schon zu dieser Zeit habe ich festgestellt, dass ich als Elternteil wenig ernst genommen wurde und die Individualität der Kinder kaum Beachtung fand.

Während meiner Ausbildung hatte ich das Ziel entwickelt, benachteiligte Kinder- und Jugendliche zu unterstützen und habe ich mich anschließend entschieden im Großen Waisenhaus in Braunschweig, einer stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, zu arbeiten. Diese Heimerziehung habe ich in unterschiedlichen Gruppen von 1981 bis 1997 ausgeübt. Sehr früh (von 1984 bis 2006) setzte ich mich dann auch als Personalrat für die Arbeitnehmerinteressen ein. Berufsbegleitend absolvierte ich in dieser Zeit die Ausbildung zum Heilpädagogen und im Anschluss daran das Studium der Heilpädagogik.

Im Jahr 1997 übernahm das Große Waisenhaus als Träger die neu eingerichtete Kita-Schefflerstrasse für 100 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren in vier Gruppen. Ich ergriff die Chance, die Leitung zu übernehmen da ich nach 16 Jahren in der stationären Kinder- und Jugendarbeit eine neue Herausforderung suchte.  Außerdem war mit inzwischen auch klar, wie bedeutsam die Erziehung in früher Kindheit ist. Diese Kita liegt im Stadtteil Bebelhof, einem ehemaligen Arbeiterviertel mit kinderreichen Familien, vielen Alleinerziehenden, hoher Arbeitslosigkeit sowie einem großen Anteil von nicht deutschen Familien aus 15 bis 20 verschiedenen Nationen. Der größte Teil dieser Bewohner bezieht Unterstützung über das Jobcenter. Aber auch Lehrer, Ärzte und Rechtsanwälte leben im Einzugsgebiet der Kita, allerdings in einem Villenviertel, dass durch eine große Hauptverkehrsstraße vom Stadtteil abgetrennt wird. Diese familiären Hintergründe spiegeln auch die hohe Heterogenität und damit die Herausforderungen unserer Arbeit in der Einrichtung wider.

Hinzu kam noch die stetig wachsende und sich intensivierende Kooperation mit der benachbarten Grundschule Bebelhof, in der z.Zt. 100 Kinder im Nachmittagsbereich betreut werden. Das führte u.a. zu einer deutlichen Erhöhung des Gesamtpersonals und bedeutete auch eine weitere Herausforderung für mich als Leiter der Einrichtung.

Im Jahr 2006 gab es dann einen Betriebsübergang zum AWO-Bezirksverband Braunschweig, den ich in meiner Funktion als Personalratsvorsitzender mit begleitet habe.

Von Anfang an war mir die Zusammenarbeit mit den Eltern und deren Einbindung in alle wesentlichen Prozesse im Kita-Leben eines meiner wichtigsten Ziele.

In den folgenden Jahren gab es kontinuierliche Entwicklungen im Team und in der Arbeit. Der erste und schwierigste Veränderungsprozess war im Jahr 2001 die Umstellung von der Betreuung in geschlossenen Gruppen zur „Offen Arbeit“. Diese Entscheidung war richtungsweisend für die gesamte pädagogische Arbeit, die immer auch unter interkulturellen Aspekten stattfand. Schwerpunkte wie das „Kind zur Rose machen“, Sprachförderung, Betreuung von Schulkindern, Aufbau und Einrichtung einer Krippengruppe u.v.m. haben die Arbeit maßgeblich geprägt.

3. Wann und wie sind Sie Early Excellence begegnet?

Vor fünf Jahren entwickelte sich dann die Kita zum Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ). In diesem Zuge begann ich mich mit dem Early Excellence- Ansatz auseinander zu setzen. Es folgten viele Fortbildungen und Veränderungen, denn es zeigte sich ziemlich schnell, dass dieser Ansatz für uns alle eine Weiterentwicklung bedeutete. Viele der bereits von mir und dem Team gemachten Erfahrungen finden sich in diesem Ansatz wieder. Die Haltung gegenüber Eltern und Kindern und der Umgang mit ihnen hat sich zunehmend deutlich verbessert.

Ein entscheidender Moment ereignete sich, als im Jahr 2018 Barbara Kühnel und Susanne Gebert von der Heinz und Heide Dürr Stiftung unser Familienzentrum besuchten. Sie gaben wertvolle Praxistipps zur Umsetzung des Ansatzes und zu Veränderungen der Räumlichkeiten. Zudem gab es Beratungen zum Beobachtungsverfahren nach EEC, Unterstützung zu Fortbildung u.v.m.  Dabei habe ich mich mit dem gesamten Team immer kritisch mit den Ideen auseinandergesetzt und alle waren stets hochmotiviert all diese Neuerungen aktiv und zügig umzusetzen.

Da die Auswirkungen des EE-Ansatzes im KiFaZ eine spürbare Verbesserung der Arbeit erzeugte, entschied ich mich, ihn auch in der Betreuung in der Grundschule einzuführen. Dort werden aktuell gerade die ersten Kinderinterviews durchgeführt.

Auf den EE-Ansatz erfolgte so eine positive Resonanz auf breiter Ebene, dass wir uns für die Zukunft entschieden haben, Konsultations- und Hospitationseinrichtung zu werden. Mein Interesse dabei ist, möglichst viele pädagogisch Mitarbeitende, die in Kitas, Familienzentren und Schulen tätig sind, zu inspirieren und zu motivieren sich mit dem EE-Ansatz auseinander zu setzen, in ihren jeweiligen Bereichen einzuführen und weiter zu entwickeln.

Ich freue mich auf die weitere Unterstützung und fruchtbare Zusammenarbeit mit der Heinz und Heide Dürr Stiftung.


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